Web 2.0
Digitale Spaltung der Gesellschaft
Immer häufiger wird die Frage aufgeworfen, ob digitale Technologien wie sie insbesondere im Internet ständig fortentwickelt werden, nicht zu einer Spaltung der Gesellschaft führen könnten, weil manche durch die schnelle Entwicklung nicht mehr am demokratischen Prozess teilhaben könnten.
Während ich die letzte Hypothese (zumindest jetzt) noch für ein wenig “reißerisch” halte, muss man dennoch die Gefahren zur Sprache bringen, die mit einem Auseinanderdriften der “Offliner” und “Onliner” zutage treten könnten. Wichtige Informationen zum alltäglichen Leben waren bis vor fünf bis acht Jahren stets in der nichtelektronischen Welt fast genauso schnell verbreitet wie im Netz. Dies scheint sich nun immer mehr zu ändern.
Recht zum Remix?
In den letzten 24 Stunden hat die unfreiwillige Wahlwerbung für die CDU hohe Wellen geschlagen, die in Form eines “Remixes” eines bestehenden Plakates von Wolfgang Schäuble Verbreitung fand. Es geht um Folgendes: Der Blog netzpolitik.org nahm sich ein Foto, das den Bundesinnenminister in einem Flieger sitzend zeigt und eröffnete einen “Remix-Wettbewerb”. Anstelle des Slogans “Wir haben die Kraft für Sicherheit und Freiheit” sollten die Nutzer eigene Sprüche einsetzen und die neuen Plakate übermitteln. Nach kurzer Zeit meldete sich die Fotografin des Werkes, Laurence Chaperon, und teilte dem Blog-Betreiber mit, sie sei nicht mit der Nutzung der Fotografie einverstanden und verlange die Einstellung der Aktion.
Wie erst vor einigen Stunden bekannt wurde, will die Urheberrechtsinhaberin allerdings nun doch nicht rechtliche Schritte gegen netzpolitik.org ergreifen. Gegenüber heise online äußerte sie sich, sie fände dennoch, dass ihr Urheberrecht verletzt sei. In seinem Lawblog bezweifelt Rechtsanwalt Udo Vetter genau das. Er verweist u.a. auf folgende Passage der Homepage der CDU:
Alle Bilder auf www.bilder.cdu.de können für redaktionelle Zwecke unter Angabe des Bildnachweises
(Foto: www.bilder.cdu.de) sowie des Fotografen (soweit genannt) kostenlos verwendet werden.
Fraglich ist eben nur, welche Rechte die Fotografin eigentlich der CDU eingeräumt hat. Im Lawblog geht der Autor davon aus, dass sie wohl keinen Knebelvertrag habe und insofern die Nutzung zulässig sei. Ich kann zwar keine rechtliche Abschätzung dieses Falles liefern, aber bevor sowas nicht geklärt ist, würde ich vorsichtshalber die Werke eines Dritten nicht ohne dessen ausdrückliche Genehmigung verwenden, vor allem nicht, wenn die zugrundeliegende Aufnahme verändert wird. So viel Respekt müsste man vor der Arbeit von Frau Chaperon haben.
Facebook als Marketinginstrument für Unternehmen
“Aber Facebook ist doch in erster Linie für Privatpersonen gedacht, oder nicht?” könnte eingewendet werden. Tatsache ist: Das Unternehmen startete als Webseite für Harvard-Studenten, die diese miteinander verbinden sollte. Über die letzten Jahre hat sich Facebook dann aber nach und nach für sämtliche Interessenten geöffnet (vorerst war die Seite Studenten an US-Colleges vorbehalten) und erfuhr auch in Europa ein immenses Wachstum, wodurch sie die 200 Millionen-Mitglieder-Marke bereits gesprengt haben.
Im Gegensatz zu StudiVZ ist Facebook ein weltweites Netzwerk, womit es tendenziell attraktiver ist für international agierende Unternehmen. Sie können sich kostenlos sog. Pages einrichten, auf denen sie Videos, Fotos oder Neuigkeiten zu ihren Produkten vorstellen. In dem nachfolgenden Interview mit Robert Scoble erklärt Facebook-CEO Mark Zuckerberg, worin er genau den Nutzen seiner Webseite für Geschäftstreibende sieht. Wenngleich die Darstellung naturgemäß eher geschönt ist, vermittelt sie m.E. trotzdem einen Eindruck dessen, in welche Richtung sich Marketing in Zukunft bewegen könnte.
Neue Suchfunktionalität
Um das Navigieren auf meiner Seite noch einen Schritt einfacher zu machen, habe ich gestern eine individuelle Suche in der Seitenleiste des Blogs installiert, die von Google als “Customized Search Engine” vermarktet wird. Sie ist so gestaltet, dass Besucher gar nicht erst auf eine neue Seite geleitet werden (also kein Neuladen), sondern die Ergebnisse durch eine Ajax-Abfrage sofort unterhalb des Suchfensters erscheinen.
Wer selber einen Blog über Wordpress betreibt, kann sich auf der Homepage von Matt Cutts informieren, wie leicht diese Suchfunktionalität implementiert werden kann.
Das Weiße Haus auf Web 2.0-Offensive
Die vergangenen Tage prasselten die Nachrichten, wie sich Präsident Barack Obama online präsentiert, alle paar Stunden auf uns nieder. Hier sind die wichtigsten Seiten, auf denen das Weiße Haus vertreten ist:
Ich warte ja schon darauf, dass sich Angela Merkel einen Twitter-Account zulegt. Vielleicht sollte man ihr dazu sagen, dass sie “Tweets” auch per SMS erstellen kann
Deutsche Gründlichkeit bei OSM
Das Projekt “OpenStreetMap” (OSM) will eine wiki-basierte Karte der Welt schaffen. Dazu ist jeder aufgerufen, sein Wissen in die mittlerweile mehrere Gigabyte umfassende Datenbank beizusteuern. So soll eine stets aktuelle, möglichst präzise Vermessung des Erdballs (Spiegel-Artikel) vorgenommen werden, bei der hinsichtlich des Detailierungsgrades keine Grenzen gesetzt sind. Für manche Gebiete lassen sich bereits einzelne Parkbänke, Tischtennisplatten oder die Hausnummern einzelner Gebäude aufrufen. Dass Deutschland bei OSM besonders stark vertreten ist, wundert mich kein bisschen. Wie aktiv wir hier im Vergleich zu anderen Gebieten unseres Planeten sind, kann im nachfolgenden Video begutachtet werden. Fairerweise muss man natürlich sagen, dass Deutschland ziemlich dicht besidelt ist, das BIP hoch ist und GPS-Geräte dadurch recht verbreitet sind. Dennoch eine tolle Animation der Kartierungsfortschritte.
OSM 2008: A Year of Edits from ItoWorld on Vimeo.
Hier findet Ihr übrigens die schon ganz hübsche Karte von Ingolstadt.
TSG twittert doch nicht selber
Durch einen kleinen Fehler ist aufgeflogen, dass Thorsten Schäfer-Gümbel (seines Zeichens SPD-Spitzenpolitiker aus Hessen) wohl nicht selber “twittert“, sondern dies lieber einem PR-Mann überlässt. Nicht gerade ein Ruhmesblatt, wie auch netzpolitik.org findet, wo Ihr die Geschichte im Detail nachlesen könnt (weiteres Posting hier).
Twittern auf dem Hudson River
Spätestens seit sich herumgesprochen hat, dass “Twittern” nichts Anstößiges, sondern eine aufstrebende Form des “Microbloggings” ist, begann die Debatte, inwiefern diese Art des “Mitmach-Journalismus” etablierten Nachrichtenagenturen und klassischen Medien zu nahe kommen könnte. Die gestrige Notlandung eines Passagierflugzeuges im Hudson River bot trotz des eigentlich traurigen Anlasses eine gute Gelegenheit, genau diese Hypothese näher zu beleuchten: Nur wenige Minuten nachdem die Maschine auf dem Wasser aufsetzte und bevor das Fernsehen (z.B. CNN) davon Wind bekam, postete ein Twitter-User ein Bild der Unglücksstelle von seinem iPhone auf der Plattform. In nur zwei Minuten erhöhte sich die Zahl einschlägiger Tweeds (also Twitter-Meldungen) um ein Vielfaches, wie man über die Twitter-Suche schnell feststellte. Eine bald unüberschaubare Flut von Nachrichten brach aus und man kam mit dem Lesen nicht mehr hinterher.
Welche Lehre ist nun aus einem solchen Ereignis zu ziehen? Ist man mit Twitter letztlich besser informiert, als über unsere Tagesthemen, Spiegel Online, NTV oder wie die klassischen Nachrichtenmedien heißen mögen? Ich würde mich wohl höchstens zu einem “Ja, mit Einschränkungen” hinreißen lassen. Ja, weil der Dienst in Sekundenschnelle durch die riesige Menge an beteiligten Personen Infos zusammentragen kann, die Redaktionen nicht so schnell verfassen können. Nein, weil nach einer recht kurzen Zeit die Tweeds – wie oben angemerkt – ein so hohes Volumen erreichen, dass sie nicht einmal mehr alle gesichtet werden können. Twitter wird wohl aufgrund der blitzschnellen Verbreitung im Web in Zukunft aktueller sein als Reuters & Co., aber: Nur die wenigstens Bürger werden wohl über Twitter an sich auf bestimmte Neuigkeiten aufmerksam. An die 99,9% werden dagegen im Fernsehen von den zugrundeliegenden Geschehnissen hören, weil sie entweder keinen Internetzugang haben bzw. ihnen Twitter unbekannt ist. Weiterhin ist das “Twittern” vorwiegend ein Phänomen in Industrienationen wie den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und einigen anderen Ländern. Zwar scheinen sich auch aus ärmeren Ländern immer mehr Leute auf der Plattform einzufinden, doch wird der Aktualitätsgrad nicht annähernd so hoch sein, wie dies beim Zwischenfall auf dem Hudson der Fall war.
Twitter wurde bei seinem Start im Jahre 2006 von vielen belächelt und als “verkrüppelte” Form des sich zu diesem Zeitpunkt etablierten Bloggens angesehen. Spätestens seit 2007 geht die Nutzerzahl des Web 2.0-Dienstes jedoch steil nach oben und so finden sich nicht nur politische Größen wie der künftige US-Präsident, sondern auch einige Zeitungsverlage (siehe hier oder hier) dort wieder. Twitter als das neue Medium in der Nachrichtenwelt? Nicht ganz. Wegen Twitter werden die Journalisten bestimmt nicht um ihre Arbeitsplätze fürchten müssen. Es mag als Quelle für Meldungen in manchen Fällen geeignet sein, doch letzten Endes finden sich auf der Webseite (abgesehen von Tweeds der Zeitungen selber) nur einzelne Nachrichten, deren Bedeutung im Gesamtzusammenhang nicht ohne weiteres eingeschätzt werden kann (eine hitzige Diskussion entstand rund um diesen Blogeintrag von Loic Le Meur). Solche “Informationsbruchstücke” zu einem Ganzen zusammenzufügen und quasi die Rolle eines kritischen “Aggregators” einzunehmen, wird vermutlich noch länger die Aufgabe ausgebildeter Redakteure bleiben.
Happy holidays? No, thanks.
Wie im letzten Jahr lassen sich auch heuer wieder per YouTube Weihnachtsgrüße versenden, die man dann seinen Lieben zuteil werden lassen kann. Naja, nicht direkt Weihnachtsgrüße. Eigentlich handelt es sich um “Frohe Festtage”, wenn man “Happy Holidays” mal wörtlich übersetzt. Ich wollte gerade mal loslegen, aber nirgendwo findet sich irgendwas mit Weihnachten, also “Merry Christmas”, wie man es doch erwarten würde. Statt dessen nur ein politisch korrektes “Happy Holidays”, damit man ja keine anderen Religionen vergrault. Bei geschätzten 2 Milliarden Christen weltweit finde ich das echt witzlos.

Firefox mit JavaScript-”Booster”
Als im Zeitalter des “Web 1.0” JavaScript höchstens dazu eingesetzt wurde, Popups zu starten, Felder zu validieren oder vielleicht mal ein Cookie zu setzen, war die Geschwindigkeit der zugrundeliegenden Engine weitestgehend egal. Seit aber durch Anwendungen wie GMail (jetzt Google Mail) oder Zoho asynchrone Kommunikation mit dem Server zulassen und die Anwendungen im Internet immer desktopähnlicher werden, nimmt auch die Rechenlast des Clients erheblich zu. Oben erwähntes GMail lädt etwa zehntausende Zeilen Code in den Speicher, um Funktionen zu bieten, wie man sie z.B. aus Microsoft Outlook kennt (wobei es dieses sogar übertrifft).
Die Mozilla-Entwicklergemeinde hat nun scheinbar einen Weg gefunden, Ladezeiten von JavaScripts dramatisch zu reduzieren. Wie heise berichtet, würden bei Verzweigungen im Code nicht nur die benötigten, sondern auch diejenigen Wege kompiliert, die nicht direkt gebraucht werden. Anders ausgedrückt arbeitet sich Firefox also durch alle möglichen Verästelungen im Quellcode, berechnet “Lösungen” und kann so später schnellere Ergebnisse liefern. Laut der Roadmap der Programmierer sollen die Ausführungszeiten dann auf nur fünf Prozent (!!) sinken.
Der genannte Compiler soll mit der Version 3.1 erscheinen, deren Veröffentlichung für Ende des Jahres geplant ist. Bereits jetzt steht allerdings ein sog. Prerelease zur Verfügung, das aber nicht für Produktivzwecke eingesetzt werden sollte. Hier gibt es dieses zum Download (10,1 MB).