Was war nochmal Second Life?
Denkt man zurück an 2007, wird einem sicherlich gleich wieder der große Wirbel um die Plattform “Second Life” bewusst. Vielen Unternehmen, Privatpersonen und auch Behörden auf der ganzen Welt erschien die virtuelle zweite Welt einer Revolution im Netz gleichzukommen. Blickt man nun auf diese, stellt man zuerst fest, dass sich der Rummel zusehens verflüchtigt hat. Eine mögliche Erklärung hierfür wäre, dass der Siegeszug von Second Life in eine Zeit fiel, in der es an anderen Trends mangelte, sodass die Software schier als Neuerfindung des Rades verkauft werden konnte. Beobachtet man die derzeitige Medienlandschaft, dominiert im Bereich der Internettechnologien momentan eindeutig Twitter die Meldungen. Wurde Second Life also schlichtweg aus der Aufmerksamkeitsspanne der Netzgemeinde verdrängt?
Mein persönlicher, quasi integrativer Erklärungsansatz ist, dass beide obigen Gründe für die Verdrängung von Second Life verantwortlich sind. Vor allem ist die Idee an sich für meine Begriffe nicht besonders innovativ und Second Life wurde (wie viele andere Produkte) einfach nur hochgejubelt. Logischerweise sprangen seinerzeit massenweise Menschen auf diesen Zug auf, um ja zu den “Trendsettern” zu gehören. Allmählich scheint sich aber die Erkenntnis durchzusetzen, dass man lieber in einem “First Life” leben möchte, das sich mit sozialen Netzwerken wie Facebook, Xing, LinkedIn & Co. einfach besser und insbesondere kostengünstiger organisieren lässt. In Folge können wir wohl auch auf ein Platzen der Immobilienblase in Second Life warten, schließlich steckt dahinter denkbar wenig Realvermögen.
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by mstephens7
Das Weiße Haus auf Web 2.0-Offensive
Die vergangenen Tage prasselten die Nachrichten, wie sich Präsident Barack Obama online präsentiert, alle paar Stunden auf uns nieder. Hier sind die wichtigsten Seiten, auf denen das Weiße Haus vertreten ist:
Ich warte ja schon darauf, dass sich Angela Merkel einen Twitter-Account zulegt. Vielleicht sollte man ihr dazu sagen, dass sie “Tweets” auch per SMS erstellen kann
TSG twittert doch nicht selber
Durch einen kleinen Fehler ist aufgeflogen, dass Thorsten Schäfer-Gümbel (seines Zeichens SPD-Spitzenpolitiker aus Hessen) wohl nicht selber “twittert“, sondern dies lieber einem PR-Mann überlässt. Nicht gerade ein Ruhmesblatt, wie auch netzpolitik.org findet, wo Ihr die Geschichte im Detail nachlesen könnt (weiteres Posting hier).
Twittern auf dem Hudson River
Spätestens seit sich herumgesprochen hat, dass “Twittern” nichts Anstößiges, sondern eine aufstrebende Form des “Microbloggings” ist, begann die Debatte, inwiefern diese Art des “Mitmach-Journalismus” etablierten Nachrichtenagenturen und klassischen Medien zu nahe kommen könnte. Die gestrige Notlandung eines Passagierflugzeuges im Hudson River bot trotz des eigentlich traurigen Anlasses eine gute Gelegenheit, genau diese Hypothese näher zu beleuchten: Nur wenige Minuten nachdem die Maschine auf dem Wasser aufsetzte und bevor das Fernsehen (z.B. CNN) davon Wind bekam, postete ein Twitter-User ein Bild der Unglücksstelle von seinem iPhone auf der Plattform. In nur zwei Minuten erhöhte sich die Zahl einschlägiger Tweeds (also Twitter-Meldungen) um ein Vielfaches, wie man über die Twitter-Suche schnell feststellte. Eine bald unüberschaubare Flut von Nachrichten brach aus und man kam mit dem Lesen nicht mehr hinterher.
Welche Lehre ist nun aus einem solchen Ereignis zu ziehen? Ist man mit Twitter letztlich besser informiert, als über unsere Tagesthemen, Spiegel Online, NTV oder wie die klassischen Nachrichtenmedien heißen mögen? Ich würde mich wohl höchstens zu einem “Ja, mit Einschränkungen” hinreißen lassen. Ja, weil der Dienst in Sekundenschnelle durch die riesige Menge an beteiligten Personen Infos zusammentragen kann, die Redaktionen nicht so schnell verfassen können. Nein, weil nach einer recht kurzen Zeit die Tweeds – wie oben angemerkt – ein so hohes Volumen erreichen, dass sie nicht einmal mehr alle gesichtet werden können. Twitter wird wohl aufgrund der blitzschnellen Verbreitung im Web in Zukunft aktueller sein als Reuters & Co., aber: Nur die wenigstens Bürger werden wohl über Twitter an sich auf bestimmte Neuigkeiten aufmerksam. An die 99,9% werden dagegen im Fernsehen von den zugrundeliegenden Geschehnissen hören, weil sie entweder keinen Internetzugang haben bzw. ihnen Twitter unbekannt ist. Weiterhin ist das “Twittern” vorwiegend ein Phänomen in Industrienationen wie den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und einigen anderen Ländern. Zwar scheinen sich auch aus ärmeren Ländern immer mehr Leute auf der Plattform einzufinden, doch wird der Aktualitätsgrad nicht annähernd so hoch sein, wie dies beim Zwischenfall auf dem Hudson der Fall war.
Twitter wurde bei seinem Start im Jahre 2006 von vielen belächelt und als “verkrüppelte” Form des sich zu diesem Zeitpunkt etablierten Bloggens angesehen. Spätestens seit 2007 geht die Nutzerzahl des Web 2.0-Dienstes jedoch steil nach oben und so finden sich nicht nur politische Größen wie der künftige US-Präsident, sondern auch einige Zeitungsverlage (siehe hier oder hier) dort wieder. Twitter als das neue Medium in der Nachrichtenwelt? Nicht ganz. Wegen Twitter werden die Journalisten bestimmt nicht um ihre Arbeitsplätze fürchten müssen. Es mag als Quelle für Meldungen in manchen Fällen geeignet sein, doch letzten Endes finden sich auf der Webseite (abgesehen von Tweeds der Zeitungen selber) nur einzelne Nachrichten, deren Bedeutung im Gesamtzusammenhang nicht ohne weiteres eingeschätzt werden kann (eine hitzige Diskussion entstand rund um diesen Blogeintrag von Loic Le Meur). Solche “Informationsbruchstücke” zu einem Ganzen zusammenzufügen und quasi die Rolle eines kritischen “Aggregators” einzunehmen, wird vermutlich noch länger die Aufgabe ausgebildeter Redakteure bleiben.
